Themenfelder

Beeinträchtigungen des Nervensystems (neurogene Schädigungen) können sich auf die Mobilität, Sinneswahrnehmungen oder Psyche der Betroffenen auswirken. Ursachen sind neben degenerativen Leiden wie Demenzen, Morbus Parkinson und Multiple Sklerose auch spontan auftretende Krankheitsbilder wie Schlaganfälle, Schädel-Hirn-Traumata oder Hirntumore. Hinzu kommen psychische Erkrankungen (Depressionen, Persönlichkeitsstörungen), Ausfälle der Sinnesorgane (Blindheit, Taubheit) sowie durch Unfälle verursachte Bewegungs- und Empfindungsstörungen.
Innovative technische Ansätze im Bereich der Mensch-Technik-Interaktion eröffnen neue Möglichkeiten, motorische, sensorische, kognitive und emotionale Fähigkeiten aufrechtzuerhalten, wiederherzustellen oder zu ersetzen und den Patienten damit die Teilhabe am sozialen und beruflichen Alltag zu ermöglichen.

Neurorobotale Systeme

Neurorobotale Systeme werden zur Verbesserung sensomotorischer Fähigkeiten eingesetzt. Prominente Beispiele für solche innovativen Technologien sind Exoskelette, deren Entwicklung weltweit fortschreitet und die bereits testweise Anwendung finden. Sie können in der Industrie zur Unterstützung beim Heben schwerer Lasten eingesetzt werden und dienen in der Rehabilitation als Therapie-, Trainings- und Assistenzsysteme für Menschen mit Bewegungseinschränkungen. Die Systeme erkennen Bewegungen über Sensoren, welche auf der Haut platziert werden, und unterstützen diese mechanisch. Durch die Mobilisation der Muskulatur und die Stimulation der verbliebenen Nerven wird die Motorik des Patienten gestärkt und seine Autonomie gefördert.
In enger Verbindung mit den neurorobotalen Systemen stehen Schnittstellen zwischen dem Gehirn und dem Computer (Brain-Computer-Interfaces). Auch wenn die Forschung hier noch in den Kinderschuhen steckt, handelt es sich um ein hochdynamisches Feld, in dem in den nächsten Jahren Durchbrüche erwartet werden. Technologisch werden sowohl Ansätze mit externen Sensoren (über EEG) als auch mit implantierbaren Elektroden verfolgt.

Neurostimulation

Bei der Neurostimulation wird die Erregungsweiterleitung von Nerven durch elektrische Impulse gezielt moduliert. Die Stimulatoren sind dabei entweder extern (nicht-invasiv) angebracht oder implantiert.
Die Neuroprothetik hat das Ziel, verloren gegangene Funktionen des Nervensystems im Bereich des Hörens, des Sehens, der Motorik und der Kognition wiederherzustellen oder zu ersetzen. Aktuell eingesetzte Systeme umfassen u.a. Cochlea-Implantate und Retina-Prothesen.
Neue Behandlungsansätze in der Therapie von chronischen Schmerzen, Epilepsie oder der Parkinson-Erkrankung eröffnet die Neurostimulation. Bei der Tiefenhirnstimulation (Hirnschrittmacher) werden Elektroden in das Gehirn implantiert, die das neuronale Gewebe elektrisch stimulieren. Große Erwartungen wecken auch Forschungen auf dem Gebiet der bioelektrischen Medizin, die elektrische Stimulationen des peripheren Nervensystems nutzen. Einsatzmöglichkeiten betreffen Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Morbus Crohn und Diabetes (Typ 2).

IT-basierte Systeme, Telemedizin und neue Medien

Die Digitalisierung hat neue Perspektiven in der Gesundheitsversorgung eröffnet, die eine exzellente Grundlage für weitere Innovationen bilden. Dazu zählen u. a. Instrumente für das Telemonitoring sowie Lösungen aus dem Bereich der Virtual/Augmented Reality, des Gaming oder der künstlichen Intelligenz in Verbindung mit Big-Data-Ansätzen. Wichtige Merkmale dieses Innovationsfelds sind die Möglichkeiten, durch IT das selbstständige Üben im Rehaprozess oder die Bewältigung von Alltagsaufgaben zu unterstützen. IT-Lösungen ermöglichen somit eine hohe Therapieadhärenz durch Integration in den Alltag und kosteneffiziente Lösungen.

(Infra-)Struktur-Entwicklung

Um geeignete Rahmenbedingungen und ein günstiges Umfeld für Innovationen zu schaffen, müssen wichtige ethische und soziopolitische Fragen kritisch diskutiert werden. Auch die Einbettung in Versorgungsstrukturen ist auch mit Blick auf gesundheitswirtschaftliche Entwicklungen und innovative Unternehmenskonzepte von essenzieller Bedeutung. Hier spielt vor allem auch die Erstattung durch das Gesundheitssystem eine entscheidende Rolle. Gerade gänzlich neuartige Behandlungsverfahren stehen vor einem komplexen Zulassungs- und Erstattungsprozess.
Um Versorgungsinnovationen zu implementieren, müssen interdisziplinäre Netzwerkstrukturen, Austauschplattformen, Co-Working-Spaces und Gründungsplattformen geschaffen, vielversprechende Modellprojekte gefördert und praxisorientierte Plattformen zur Evaluierung und Transferförderung geschaffen werden.

Usability & Empowerment

Bei der Behandlung neurogener Störungen spielen die Lernprozesse der Patienten eine wichtige Rolle für den therapeutischen Erfolg: Es handelt sich nämlich in der Regel um langfristige Prozesse, die eine nachhaltige Bedeutung für den Lebenslauf und die Lebensweise haben. Die Gebrauchstauglichkeit, das eigenständige Üben und die Motivation sind also entscheidende Aspekte. Die Patienten müssen in die Lage versetzt werden, die Systeme zu verstehen, korrekt zu nutzen – nur so können Ängste und Vorbehalte abgebaut werden. Dabei sind differenzierte Lösungen gefragt, denn die Zielgruppe kann in Bezug auf Geschlecht und Alter mitunter sehr heterogen sein. Entscheidende Instrumente zur Förderung der Akzeptanz und des Patient Empowerments sind eine frühzeitige Analyse der konkreten Bedarfe und Bedürfnisse sowie die aktive Einbindung der Patienten und Anwender bei der Gestaltung.

Systeme der Mensch-Technik-Interaktion dienen darüber hinaus auch der Unterstützung und Entlastung der Ärzte und der therapeutischen Fachkräfte, bei gleichzeitiger Verbesserung der Versorgungsqualität. Um das therapeutische Potenzial der Systeme voll auszuschöpfen, bedarf es aber einer Ausweitung der Kompetenzen. Die Fachkräfte müssen als Anwender in die Lage versetzt werden, die technischen Lösungen in Verbindung mit Trainingsmethoden und Lernprozessen zu verstehen, korrekt und sicher zu nutzen und zu ihrer Weiterentwicklung beizutragen. Daher müssen die Themen einen systematisch stärkeren Einzug in die Aus- und Weiterbildung von Heilberufen finden.
 
 

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